„Keine vertrauensvolle Zusammenarbeit - Informationen fließen nur spärlich“

hans peter gaussSeit dem Verbandstag in Großsachsen ist Hans-Peter Gauß Vizepräsident Sport im BaTTV. Im Interview mit Michael Rappe spricht der Funktionär  aus Königsbach-Stein über die sportliche Situation im Badischen Tischtennis-Verband und über die höchst umstrittene Verschmelzung mit dem TTVWH und Südbaden zu TTBW. 

Herr Gauß, Baden stellt mit Busenbach und Grünwettersbach zwei Erstligavereine, dazu kommen noch Zweit- und Drittligisten. Wie bewerten Sie als neuer Vizepräsident Sport derzeit das sportliche Niveau im BaTTV im Mannschafts- und auch im Einzelsport?

Das sportliche Niveau ist überdurchschnittlich gut. Als überragender Beleg ist hier das Abschneiden der badischen Frauen kürzlich beim Bundesranglistenturnier, als Tanja Krämer vor ihrer Busenbacher Vereinskollegin Jessica Göbel gewann. Platz drei ging zudem an Luisa Säger (TTC Weinheim). Für Tanja Krämer war es der dritte Erfolg in Serie. Darüber hinaus vertrat der Neuzugang des TV Busenbach, Franziska Schreiner, den DTTB bei der Jugendolympiade in Buenos Aires.

Im Spitzensport und bei der Jugend (und seit kurzem auch bei den Senioren) gibt es seit Jahren die Zusammenarbeit der drei Verbände. Hat sich das aus Ihrer Sicht bewährt?

 

Die Zusammenarbeit auf dem sportlichen Gebiet zwischen den drei Verbänden hat sich m. E. bewährt und sollte auch unabhängig von den Fusionsbemühungen fortgesetzt werden, wenn auch in Teilbereichen durchaus Verbesserungspotenzial besteht. Hier sind vor allem die hohen Kosten anzuführen. Auch sollte etwas in Richtung Bezirksstützpunkte verschoben werden.

Wie ist der aktuelle Sachstand in Sachen Verschmelzung? Seit dem Verbandstag Mitte Juni hat es ja keinerlei Infos an den erweiterten Vorstand und die Vereine gegeben. Lediglich einseitige Interviews der Befürworter wurden veröffentlicht. Ist der vorgesehene Zeitplan (Verschmelzung zum 01.01.2020) überhaupt noch realistisch? Schließlich ist bisher in zweieinhalb Jahren kaum etwas vorangegangen.

 

Informationen fließen tatsächlich leider nur sehr spärlich. Es sollten rechtzeitig vor der Informationsveranstaltung am 21.Oktober (Anm. der Redaktion: sie fand nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe statt) alle notwendigen Informationen an die Bezirksvorsitzenden verteilt werden. Stand heute (17. Oktober) wurden zwar Entwürfe einer neuen Satzung sowie der geplanten WO verteilt, aber entscheidende Dinge wie Ordnungen (Geschäftsordnung, Finanzen etc.) sowie insbesondere ein Haushaltsplan für den geplanten neuen TTBW-Verband fehlen gänzlich.

Ich halte es für völlig unseriös, bereits im November 2017 Interviews auf der TTBW-Homepage zu veröffentlichen, denen der Leser entnehmen kann, dass 80-90% der Vereine finanziell durch die Fusion entlasten würden (siehe Interview mit Horst Haferkamp). Und dann gibt es fast ein Jahr später nach wie vor keine Unterlagen über die finanzielle Ist-Situation, geschweige denn einen Haushaltsplan für die kommenden Jahre bzw. das kommende Jahr, noch nicht einmal einen Entwurf. Der mal angedachte Zeitplan ist aus meiner Sicht nicht einzuhalten.

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Gründe, die gegen eine Verschmelzung sprechen? Sind kleine Funktionseinheiten nicht viel besser als große?

 

Ein ganz wichtiger Punkt für unsere Vereine ist meines Erachtens in dem Wegfall unserer Geschäftsstelle in Leimen zu sehen. Dem vorliegenden Satzungsentwurf ist zu entnehmen, dass nur eine Landesgeschäftsstelle (in Stuttgart) geplant ist. Eine Geschäftsordnung soll alles Weitere regeln, aber selbst ein Entwurf einer selbigen ist bis dato nicht veröffentlicht.

5)      Wie beurteilen Sie die personelle Zusammensetzung der einzelnen Arbeitskreise und deren Informationspolitik?

 

Die einzelnen Arbeitskreise waren ausgewogen eingeteilt und allen Gremien vorgestellt und auch von diesen akzeptiert. Ich selbst bin erst seit kurzer Zeit als Nachfolger meines Vorgängers im Amt des VP Sport, Helmut Seßler, in zwei Arbeitskreisen tätig, die sich mit dem sportlichen Bereich beschäftigen. Hier wurden auch entsprechende Ergebnisse erzielt, die bereits vorgestellt wurden. Allerdings kann es nicht sein, dass Alfons Enichlmayr, der wie auch ich der geplanten Fusion kritisch gegenüber steht, ohne sein

Wissen, aus den einzelnen Arbeitskreisen „eliminiert“ wurde. Dies ist kein Stil und entspricht nicht meinem Verständnis einer vertrauensvollen Zusammenarbeit.

 

6)      Viele Vereine in Baden haben Angst, dass sie in einem gemeinsamen Verband TTBW aufgrund der Mehrheitsverhältnisse nur noch wenig oder gar nichts mehr zu sagen haben. Teilen Sie diese Befürchtungen?

 

Diese Angst ist völlig begründet. Ich teile die Befürchtungen vollumfänglich. Zum einen sind die Mehrheitsverhältnisse in dem geplanten BaWü-Verband klar zu Gunsten Württembergs, und zum anderen kenne ich die Personen und deren Tun, die hinter den Kulissen als mögliche Verantwortliche des geplanten Verbandes gehandelt werden.

Muss Baden gravierende Nachteile befürchten, wenn die Fusion nicht zustande kommt, bzw. nur Südbaden und der TTVWH zusammengehen? Wäre dann die Zusammenarbeit im Sport und bei der Jugend automatisch beendet?

Baden muss überhaupt keine Nachteile befürchten, sollte die Fusion nicht realisiert werden. Die Zusammenarbeit auf dem sportlichen Sektor muss nicht zwingend aufgelöst werden. Im Gegenteil, es besteht aus meiner Sicht überhaupt keine Notwendigkeit, die Zusammenarbeit aufzulösen. So sieht es übrigens die überwiegende Mehrheit im Arbeitskreis Erwachsenensport.

Michael Rappe