Als krasser Außenseiter angereist, als Pokalhelden die Heimreise angetreten. Der ASV hat Geschichte geschrieben und seinen ersten nationalen Titel errungen. Was sich am Samstag in der mit 4600 Zuschauern fast ausverkauften ratiopharm-arena in Neu-Ulm abspielte, kann getrost als sportliche Sensation bezeichnet werden. Angetrieben von der „Roten Wand“ wuchsen unsere Jungs über sich hinaus und gaben zuerst TTBL-Tabellenführer Saarbrücken und anschließend Titelverteidiger und Meister Ochsenhausen jeweils mit 3:2 das Nachsehen. Am Ende kannte der Jubel keine Grenzen und so mancher konnte lange nicht begreifen, was sich an diesem Tag ereignet hatte.

Im Halbfinale musste der ASV zunächst gegen Saarbrücken antreten, just jenes Team, gegen das in neun Partien bislang noch kein Sieg gelungen war. Doch der Auftakt war grandios. Sathiyan Gnanasekaran startete gegen Shang Kun stark, ging mit 2:1 Sätzen in Führung. Doch der Chinese steigerte sich und lag im Entscheidungssatz klar mit 9:5 in Front, ehe Sathi das Steuer noch herumreißen konnte und mit 11:9 den ersten Punkt für sein Team holte. In der Folge mussten sich sowohl Dang Qiu als auch Sathi Gnanasekaran jeweils mit 0:3 dem starken Europameister Patrick Franziska geschlagen geben. Doch das war es dann auch schon für den FC. Denn der fulminant auftrumpfende Wang Xi hielt Darko Jorgic klar mit 3:0 in Schach, so dass das Doppel die Entscheidung bringen musste. Hier fanden Dang Qiu und der kalt von der Bank kommende Tobias Rasmussen gegen Jorgic/Polansky zunächst schwer in die Partie. Doch als sie im ersten Satz einen 7:10-Rückstand noch drehen konnten, kippte das Spiel zu Gunsten des ASV. Zwar waren die folgenden Sätze mit 15:13 und 11:9 ebenfalls hart umkämpft, doch am Ende konnte der ASV den Finaleinzug bejubeln.

Am Nachbartisch konnte sich Titelverteidiger TTF Liebherr Ochsenhausen ebenso knapp gegen Borussia Düsseldorf behaupten. Allerdings war dieser Erfolg durch die Verletzung des TTF-Spitzenspielers Hugo Calderano teuer erkauft, da dieser seinem Team im Finale somit fehlte.

Auch gegen die Oberschwaben hatte ASV-Trainer Joe Sekinger wieder ein glückliches Händchen bei der Aufstellung. Zwar musste sich zunächst Sathi Gnanasekaran trotz guten Spiels dem stark und druckvoll auftrumpfenden Jakub Dyjas mit 1:3 geschlagen geben, doch Dang Qiu agierte gegen Simon Gauzy grandios und gab dem Franzosen ebenfalls mit 3:1 das Nachsehen. Erneut war es Wang Xi, der sein Team mit 2:1 in Führung brachte. Xi hatte Stefan Fegerl bei seinem 3:0-Sieg jederzeit sicher im Griff und erteilte dem österreichischen Nationalspieler eine bittere Lektion. Sathi Gnanasekaran blieb die ersten beiden Sätze gegen Simon Gauzy chancenlos. Doch dank einer Energieleistung konnte der Inder Satz drei für sich verbuchen und lag auch im vierten Satz bereits mit 10:7 in Front, ehe ihn das Glück verließ und Gauzy seine TTF ausgleichen konnte. Wieder musste also das Doppel entscheiden.

Hier mussten Dang und Tobi den ersten Satz gegen Dyjas/Fegerl mit 8:11 abgeben. Doch dann spielte das ASV-Doppel großartig auf. Jeweils mit 11:4 gingen die Sätze zwei und drei an den ASV. Zwar keimte im Lager der Oberschwaben zu Beginn des vierten Durchgangs nochmals Hoffnung auf, als ihr Doppel gut startete. Doch Dang und Tobi waren nun nicht mehr zu bremsen, holten Punkt für Punkt auf und brachten auch diesen Satz cool und souverän mit 11:7 zum Titelgewinn nach Hause.

Der ASV kann nach diesem Titelgewinn stolz sein. Stolz auf seine Spieler, den Trainer, die Verantwortlichen und die Fans, die an diesem legendären Nachmittag als Gemeinschaft nicht zu bezwingen waren.

Karl-Heinz Fritz

Foto (Erik Thomas): Der ASV Grünwettersbach bejubelt den Gewinn der deutschen Pokalmeisterschaft, von links: Physiotherapeutin Nathalie Wetzel, Manager Martin Werner, Dang Qiu, Sathiyan Gnanasekaran, Trainer Joachim Sekinger, Tobias Rasmussen, Wang Xi und Teambetreuer Markus Laubner.